Ökonomie gewinnt in der Nachhaltigkeit. Neue Chancen jenseits von Quantität.

Der Glaube an unendliches Wachstum und kurzfristigen Gewinn verhindert nachhaltiges Wirtschaften auf lange Sicht.

Es sieht so aus, als würden die Ressourcen nicht reichen. Eine einfache und ganz banale Aussage mit großen Auswirkungen. Seit der Industrialisierung haben wir in nur einem Jahrhundert ökologische, ökonomische und soziale Grenzen überschritten. Wir agieren, als hätten wir unendliche Ressourcen und dauerhaft wachsende und neue Märkte. Die Folgen dieses Handelns werden gerne unter den Teppich geschoben. Es liegt wohl in den Genen der Marktwirtschaft, dass wir immer weiter wachsen wollen.

Die Ökonomen wehren sich gerne gegen Nachhaltigkeit, als würde man ihnen die heilige Kuh des BIP (Bruttoinlandsprodukt) wegnehmen. Und ja, das bedeutet es auch in gewisser Weise, denn es gibt Grenzen, die wir akzeptieren müssen.
Kate Raworth, eine britische Wirtschaftswissenschaftlerin, hat ihre Theorie erstmalig 2012 vorgestellt, in der sie von planetaren und sozialen Grenzen ausgeht und ein Modell entwickelt, in dem, mit einem sicheren und gerechten Handlungsraum, ein Bereich – Donut – für nachhaltiges Wirtschaften definiert wird.

Sind wir lernfähig?

Einem Jugendlichen, der ohne Überlegung handelt, versuchen wir liebevoll zu erklären, dass alles Handeln Konsequenzen hat. Dass, wenn das Taschengeld ausgegeben ist, eben keine Pizza mehr möglich ist. Unser wirtschaftliches Handeln entspricht manchmal diesem Niveau. Wir beuten eine Ressource aus, bis sie aufgebraucht ist und falls die eine oder andere Tierart dabei ausgerottet wird, schauen wir weg. Wir fragen uns nicht, was ein Tier oder eine Pflanze für eine Rolle im jeweiligen System hat, sondern nur, was sie ihr Nutzen für uns ist, ohne zu erkennen, welche Folgen aus dem Verlust entsteht.
Was wir nicht mehr sehen wollen, wird verklappt, weggeworfen, eingegraben und in den Weltraum geschossen. Solange es Profit bringt, agieren wir auch gegen uns selbst.
Falls unsere Wirtschaftsdaten in den Industrienationen phasenweise mal schlechter werden, schreien wir nach Lösungen und wollen alle vom Tisch weghalten, die uns angeblich etwas wegnehmen könnten. Dann gibt es vor der Natur und anderen Ressourcen noch weniger Achtung.

Was heißt nachhaltige Ökonomie?

Wir beginnen mit dem Irrtum des ewigen Wachstums, denn daran glauben wir erst seit den 40er-Jahren. Erst in dieser Zeit war die Berechnung des Volksvermögens zu einer politischen und unternehmerischen Größe geworden. Wenn wir jedoch logisch darüber nachdenken, können wir erkennen, dass es ewiges Wachstum ohne Folgen nicht geben kann. Zu gesundem Wachstum gehören eben nicht nur die Erstellungskosten, sondern auch die Folgekosten, die Konsequenzen. Wachstum, welches auf reinem Verbrauch von Energie, Rohstoffen und Produktionsenergie aufbaut, kann in einer physisch begrenzten Welt nicht funktionieren.

Wir kennen nur den Weg nach vorn

Wir pushen unsere Wirtschaft als Problemlöser und Innovationsgeber, und kalkulieren die Folgekosten nicht gerne ein. So können wir den Kollisionskurs nicht ändern, der die Umwelt torpediert oder unsere Wirtschaft langfristig in die Knie zwingen wird. Unsere Abhängigkeit von Globalisierung und Faktoren, die außerhalb unserer Einflussmöglichkeiten liegen, führt im Zusammenhang mit den ökologischen und gesellschaftlichen Veränderungen zu Engpässen und schwächen die ökonomischen Möglichkeiten. Insbesondere der Mittelstand ist aufgerufen, sich aktiv zu verändern und die Chancen zu erkennen. Anstehende gesetzliche Änderungen werden die Anforderungen erhöhen.

Was ist das Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft?

  • Hoher Beschäftigungsgrad
  • Preisstabilität
  • Ökonomisches Gleichgewicht in einer globalisierten Welt

Wie kann die ökonomische Nachhaltigkeit im Unternehmen aufgebaut werden?

Jede Unternehmenstätigkeit beeinflusst nicht nur das ökonomische System, sondern auch die Handelnden in ihren Lebensfeldern. Der gesamten Wertschöpfungsprozess muss ökonomisch kalkuliert werden. Nachhaltiges Wirtschaften erfordert, dass Unternehmen alle negativen Auswirkungen erkennen und minimieren und positive Entwicklungen unterstützen.
Ökologische und soziale Maßnahmen der Nachhaltigkeit führen häufig automatisch (und langfristig) zur ökonomischen Nachhaltigkeit.

Was muss passieren, um nachhaltig zu werden?

  • Konsequenzen des unternehmerischen Handelns im Wertschöpfungsprozess abbilden
  • Ökonomische Chancen und Risiken definieren und Handlungsfreiräume definieren
  • Betriebliche Abläufe in Bezug auf Nachhaltigkeit prüfen
  • Nachhaltiges Managen von Ein- und Verkauf in Bezug auf Logistik und Wareneinkauf
  • Gefahrstoffe verringern
  • Abfall und Verpackungen reduzieren
  • Energieverbrauch optimieren
  • Biodiversität unterstützen
  • Nachhaltigkeit kommunizieren

Welche Vorteile hat ökonomische Nachhaltigkeit für Unternehmen?

  • Entscheidungsfreiheit. Jedes Unternehmen kann abwägen, welches Gewinnstreben wie viel Schaden oder Nutzen im Sinne der Nachhaltigkeit bringt.
  • Kostentransparenz und -nutzen. Würden wir die verdeckten Kosten von Schäden und Umweltzerstörung mit in ein Produkt rechnen, würden wir erkennen, wie teuer dieses in Wirklichkeit ist. Durch das Umlegen dieser Kosten auf die öffentliche Hand entsteht eine Verlagerung der Verantwortung, die der Bürger mit Steuern bezahlen muss.
  • Erhöhte Sichtbarkeit und gestärkte Kundenbindung. Je kleiner die Grauzone wird, desto genauer werden Kunden prüfen, bei wem sie kaufen wollen.
  • Verbessertes Image. Besonders im Bereich Mitarbeiter zeigt sich deutlich, dass Menschen gut handeln, gut arbeiten, aber auch gesund leben wollen.

Ohne nachhaltige Ökonomie fehlt der Treibstoff für ein Umdenken in der Wirtschaft

Wo kein Umsatz ist, kann sich freie Marktwirtschaft nicht halten. Dann kann sich aber auch keine Nachhaltigkeit durchsetzen. Der Umgang mit unternehmerischer Verantwortung wird darüber entscheiden, wie lange wir in diesem Wohlstand leben werden. Der unbedingte Glaube an ewiges Wachstum wird unser Bedürfnis nach Frieden mit der Welt nicht möglich machen.

Zeit für eine nachhaltige Strategie

Ihr Wertschöpfungsprozess ist der Schlüssel für eine ökonomische Nachhaltigkeit.
Je aktiver Sie diese Entwicklung fördern, desto gesünder und langfristiger kann sich dieses Engagement positiv auswirken.